Kommunikationsorientiert-sprachspezifische Therapie bei Hörschädigung

bei Kleinkindern und Kindern mit Hörschädigung

Karen Reichmuth, Dipl.-Logopädin

Dank der Früherkennung und -versorgung mit technischen Hörhilfen können immer mehr Kinder mit Hörschädigung aller Schweregrade auf ganz natürliche Weise in der Alltagskommunikation mit ihren Eltern Lautsprache (über das Ohr) erwerben. Das Seminar gibt ein Update zum (inter-)nationalen Forschungsstand des Spracherwerbs der „neuen Generation" dieser Kinder mit Hörschädigung aller Schweregrade seit Einführung des Neugeborenen-Hörscreenings. Sprachtherapeutinnen werden dabei sowohl theoretisch als auch praktisch (mit vielen Fallbeispielen und Kleingruppenarbeit) für die sprachtherapeutische Diagnostik, Therapie und Elternberatung für linguistische Stärken und spezifische, audiogen bedingte Stolpersteine der frühen Lautsprachentwicklung dieser Kinder (mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten/CI versorgt) vom Kleinkind- bis ins Schulalter (2-12 Jahre) sensibilisiert.
Die mittlerweile (inter-)national als kritisch bewertete Verwendung des „Höralters" als Referenzalter für die Sprachentwicklung dieser Kinder wird beleuchtet. Zusätzlich werden Indikatoren für günstige und abweichende Entwicklungsverläufe (z.B. bei Zusatzbeeinträchtigungen; bei Spätversorgung) dargelegt. Zur Orientierung erfolgt ein Überblick über veröffentlichte sprachtherapeutische Therapieansätze für Kinder mit Hörschädigung und ihre Zielgruppen. Das Therapiekonzept von Reichmuth ist inhaltlich eine sprachtherapeutische Fortsetzung des hörgerichteten Lautspracherwerbansatzes ab 2 Jahren, wenn die lautsprachliche Entwicklung möglichst durch familienzentrierte Frühintervention in den ersten 2- 2 ½ Lebensjahren (z.B. Batliner, 2016; Reichmuth et al., 2013) angestoßen werden konnte. Erfahrung und Kenntnisse der Teilnehmerinnen aus der Therapie mit hörenden Kindern werden in der Vermittlung der alters- und entwicklungsspezifischen sprachtherapeutischen Vorgehensweise und der begleitenden Elternarbeit mit Theorie und Praxis im Seminar vernetzt. Aspekte der Förderung der Identitätsentwicklung sowie Chancen und Grenzen von Inklusion lautsprachlich kommunizierender Kinder mit Hörschädigung werden beleuchtet. Abschließend wird das frühzeitige Erkennen der Grenzen einer reinen Lautsprachförderung vermittelt und ein verantwortungsvoller Umgang damit diskutiert. Dazu wird ein kurzer theoretischer Überblick zur Gebärdensprache als vollwertige Sprache und Gebärden als Hilfsmittel in der zuständigen Fachpädagogik und Sprachtherapie gegeben. Der systematische Einsatz von lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) erfolgt im Ansatz von Reichmuth nicht.
Weiterführende Informationen
Seminaranmeldungen sind telefonisch nicht möglich!
360.00 CHF *

Freie Plätze !

    2323-KC
    Köln
    SA, 10.06.2023 | 10:00 - 18:15
    SO, 11.06.2023 | 08:30 - 16:00
    17
    9
Karen Reichmuth studierte nach der Ausbildung zur Logopädin und Berufspraxis an der...
Kurzbiographie: Karen Reichmuth, Dipl.-Logopädin
Karen Reichmuth studierte nach der Ausbildung zur Logopädin und Berufspraxis an der Beratungsstelle für Hörbehinderte in Berlin an der RWTH Aachen Lehr- und Forschungslogopädie. Seit 2002 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und klinische Logopädin an der Klinik für Phoniatrie & Pädaudiologie und dem Cochlea-Implantat-Centrum Münsterland (CICM) des Universitätsklinikums Münster (z.B. Mitarbeit in verschiedenen Forschungsprojekten, u.a. zur Sprachentwicklung von Kindern mit Hörschädigung und zur Rehabilitation nach CI-Versorgung bei Erwachsenen). Seit 2020 ist sie auch therapeutische Leiterin des CICM und in dieser Funktion Mitglied im ACIR e.V. (Arbeitsgemeinschaft CI-Rehabilitation).
Reichmuth, K.: Kommunikationsorientiert-sprachspezifische Therapie nach Karen Reichmuth. Kap. 8....
Quellenangaben:
Reichmuth, K.: Kommunikationsorientiert-sprachspezifische Therapie nach Karen Reichmuth. Kap. 8. 4. In: Wachtlin, B. & Bohnert, A. (2018). Kindliche Hörstörungen in der Logopädie. Stuttgart: Thieme Verlag
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